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Die Anwendung der Forschungsergebnisse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln, für ein Konzept zum Schutz gegen nächtlichen Fluglärm

Basner, Mathias (2007) Die Anwendung der Forschungsergebnisse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln, für ein Konzept zum Schutz gegen nächtlichen Fluglärm. In: Der Schutz vor nächtlichem Fluglärm. Dokumentation des Symposions "Der Schutz vor nächtlichem Fluglärm" des Instituts für Umwelt- und Planungsrecht der Universität Leipzig am 20.01.2006, pp. 17-30. NOMOS. Fluglärm-Symposion "Der Schutz vor nächtlichem Fluglärm", 2006-01-20, Universität Leipzig. ISBN 978-3-8329-2573-4.

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Abstract

Thesenpapier zum Vortrag von Dr. med. Mathias Basner Die Anwendung der Forschungsergebnisse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln, für ein Konzept zum Schutz gegen nächtlichen Fluglärm In 2004 schloss das DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin eine umfangreiche Studie zum Einfluss von Nachtfluglärm auf den Schlaf ab. 128 Versuchspersonen wurden im Schlaflabor des DLR untersucht, 64 weitere in ihrer häuslichen Umgebung in der Nähe des Köln/Bonner Flughafens. Hierbei handelt es sich um eine Studie zu den akuten Wirkungen nächtlichen Fluglärms. Vor- und Nachteile dieser Studienform werden im Vergleich zu epidemiologischen Studien kurz diskutiert. Bei der DLR-Studie kam die Polysomnographie, also die zeitgleiche Erfassung von Hirnströmen, Augenbewegungen und dem Anspannungszustand der Muskulatur, zum Einsatz. Mit diesen Signalen ist es möglich, den Schlaf in verschiedene Stadien zu unterteilen, die eine unterschiedliche Bedeutung für die Erholsamkeit des Schlafs haben. Auch kurze Weckreaktionen, die nicht zwangsläufig mit Bewegungen einhergehen, können so erfasst werden. Die Aufzeichnung und Analyse der Daten ist jedoch aufwändig, weshalb bis vor kurzem nur wenige kleinere polysomnographische Studien zum Thema Nachtfluglärm existierten. Aufgrund des jeweils geringen Stichprobenumfangs war eine Übertragung der Ergebnisse auf eine größere Grundgesamtheit nur sehr eingeschränkt möglich. Da zudem häufig unterschiedliche Methoden zum Einsatz kamen, war eine Vergleichbarkeit oder gar Zusammenfassung dieser Studien ebenfalls nur beschränkt möglich. Die in der DLR-Feldstudie gefundenen Daten wurden genutzt, um präzise Dosis- Wirkungsbeziehungen zwischen der Lautstärke eines Fluggeräusches (Maximalpegel LAS,max) und der Wahrscheinlichkeit aufzuwachen, abzuleiten. Hierbei handelt es sich um einen nicht zu unterschätzenden, wesentlichen Erkenntnisgewinn für die Lärmwirkungsforschung: Mithilfe akustischer Prognosedaten kann anhand der Dosis-Wirkungsbeziehung für jeden Ort in der Umgebung eines Flughafens prognostiziert werden, mit wie vielen zusätzlich Aufwachreaktionen durch Fluglärm zu rechnen ist. Die Dosis-Wirkungsbeziehung stellt die Basis für ein für den Flughafen Leipzig/Halle entwickeltes wirkungsbezogenes Schutzkonzept dar, welches im Planfeststellungsbeschluss "Flughafen Leipzig/Halle, Start- und Landebahn Süd mit Vorfeld" vom 04.11.2004 umgesetzt wurde. Das Konzept basiert auf drei Säulen: • Im Mittel soll weniger als eine Aufwachreaktion zusätzlich durch Fluglärm hervorgerufen werden. Da in einer ungestörten Nacht ca. 24 spontane Aufwachreaktionen beobachtet werden, ist auch bei langfristiger Exposition bei im Mittel einer zusätzlichen Aufwachreaktion nicht mit einer Gesundheitsgefährdung zu rechnen. • Je länger eine Aufwachreaktion andauert, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man sie am nächsten Tag erinnert. Schlafqualität und Schlafquantität werden entsprechend schlechter eingeschätzt. Auch Fluggeräusche werden in Phasen bewussten Wachseins wahrgenommen und führen zu entsprechenden Belästigungsreaktionen. Erinnerbares Erwachen sollte deshalb möglichst vermieden werden. Längere Aufwachreaktionen können insbesondere bei Maximalpegeln oberhalb von 65 dB beobachtet werden. Maximalpegel von 65 dB oder mehr sollten deshalb höchstens einmal pro Nacht auftreten. • Das Wiedereinschlafen soll möglichst nicht beeinträchtigt werden. Umfangreiche Modellrechnungen zeigten, dass Fluggeräusche in der zweiten Nachthälfte zur Gewährung des Wiedereinschlafens mit einem Malus von 1,4 dB belegt werden sollten. Eine entsprechende Planergänzung wurde im Januar 2006 vom Regierungspräsidium Leipzig vorgenommen. Der Kabinettsentwurf für die Novellierung des Fluglärmgesetzes vom Mai 2005 sieht für den Schutz der Nacht noch eine Kombination aus NAT (number above threshold)- und LAeq-Kriterien vor. Bei diesen ausschließlich auf akustischen Daten beruhenden Konzepten wird implizit davon ausgegangen, dass bei Unterschreitung eines bestimmten Grenzwertes unzumutbare Wirkungen auf den Schlaf des Menschen nicht mehr auftreten. Es wird jedoch im Vortrag gezeigt, dass NAT- und LAeq- Kriterien, auch in ihrer Kombination, nur sehr bedingt dazu geeignet sind, die Wirkungen nächtlichen Fluglärms auf den Schlaf des Menschen adäquat zu beschreiben. Mithilfe der in der DLR-Feldstudie gefundenen Dosis- Wirkungsbeziehung werden die Nachtfluglärmwirkungen hingegen explizit ausgewiesen. Obwohl es sich bei der DLR-Studie um die umfangreichste schlafmedizinische Studie zum Einfluss von Nachtfluglärm auf den Schlaf handelt, wird Kritik von Seiten der Fluglärmgegnerschaft an der Nutzung der Ergebnisse der DLR-Studie geübt. Es seien z.B. keine Kinder, Greise und Kranken untersucht worden, weshalb die Übertragbarkeit der Ergebnisse nicht gegeben sei. Den Autoren der Studie ist bewusst, dass die Repräsentativität der Studie durch Auswahlkriterien, die für die Sicherung der internen Gültigkeit der Studienergebnisse aufgestellt wurden, eingeschränkt ist. Aus diesem Grund wurden die Ergebnisse von der untersuchten Population auch nicht 1:1 auf die Bevölkerung des Flughafens Leipzig/Halle übertragen, sondern es wurden diverse präventivmedizinische Maßnahmen ergriffen, um auch solche Menschen vor den Folgen nächtlichen Fluglärms zu schützen, für die die Studie nicht repräsentativ war, die aber gleichsam empfindlicher auf Fluglärm reagieren. Im Vortrag wird die Entscheidung für die Kriterien bei der Probandenauswahl erläutert. Die präventivmedizinischen Maßnahmen werden im Vortrag ebenfalls detailliert beschrieben. Aus einer aufwändigen Modellrechnung zum Wiedereinschlafen geht hervor, dass die durch die präventivmedizinischen Maßnahmen entstandene Sicherheit mit einem Faktor 3 bis 4 bzw. mit 12 dB beziffert werden kann. Zusätzlich wird schutzbedürftigen Einrichtungen und Privatpersonen ein um 3 dB erhöhter Schallschutz gewährt. Eine weitere Anhebung des Schutzniveaus über das in der Planergänzung festgelegte Maß hinaus ist aus medizinischer Sicht unbegründet.

Document Type:Conference or Workshop Item (Speech, Paper)
Title:Die Anwendung der Forschungsergebnisse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln, für ein Konzept zum Schutz gegen nächtlichen Fluglärm
Authors:
AuthorsInstitution or Email of Authors
Basner, MathiasUNSPECIFIED
Date:June 2007
Journal or Publication Title:Der Schutz vor nächtlichem Fluglärm. Dokumentation des Symposions "Der Schutz vor nächtlichem Fluglärm" des Instituts für Umwelt- und Planungsrecht der Universität Leipzig am 20.01.2006
Page Range:pp. 17-30
Editors:
EditorsEmail
Oldiges, MartinUNSPECIFIED
Publisher:NOMOS
ISBN:978-3-8329-2573-4
Status:Published
Keywords:Schlaf, Fluglärm, Nachtschutzkonzept, Leipzig
Event Title:Fluglärm-Symposion "Der Schutz vor nächtlichem Fluglärm"
Event Location:Universität Leipzig
Event Type:national Conference
Event Dates:2006-01-20
HGF - Research field:Aeronautics, Space and Transport (old)
HGF - Program:Aeronautics
HGF - Program Themes:L VU - Air Traffic and Environment (old)
DLR - Research area:Aeronautics
DLR - Program:L VU - Air Traffic and Environment
DLR - Research theme (Project):L - Quiet Air Traffic (old)
Location: Köln-Porz
Institutes and Institutions:Institute of Aerospace Medicine > Flight Physiology
Deposited By: Louise Mawet
Deposited On:17 Aug 2007
Last Modified:27 Apr 2009 13:46

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